Die Frauen in der Bibel
werden geschildert als bezwingend schön wie Sara
(in „Abraham im ägyptischen Exil“, bei den Evangelienspielen
uraufgeführt 2011),
die dem Pharao zur Frau gegeben wurde, damit ihr Mann und ihr
Volk unbehelligt in Ägypten leben konnten, als treu wie Ruth (UA 2010),
die als Moabiterin ihrer Schwiegermutter Noemi nach Kanaan folgt, als
verführerisch wie Batseba (in „König David“, UA 2012), die auf dem
Dach ihres Hauses vor den Augen des Königs badet, als kindhaft wie
Rahel (in „Jakob, Josef und seine Brüder“, UA 2013), in die Jakob
sich auf den ersten Blick verliebt oder von beispielhafter Mütterlichkeit
wie Maria in „Zeichen und Wunder“ (UA 2005).
Tamar hat von all diesen Attributen wenig, sie ist bemerkenswert, weil
sie sich in der frühbiblischen Männerwelt mit Hartnäckigkeit und Schläue
als Frau behaupten kann.
Tamar war die Schwiegertochter von Juda, des vierten Sohnes von Ahnvater
Jakob. Schon als Mädchen wurde sie dessem ältesten Sohn Er versprochen.
Es stellte sich heraus, dass dieser gemütskrank war und bald nach der
Hochzeit ohne Nachkommen verstarb. Den Bräuchen von damals folgend,
wurde Tamar mit Onan, Judas zweitem Sohn, vermählt, damit dieser in
Leviratsehe seinem Bruder Nachkommen verschaffe. Onan verweigerte sich
aber dieser Verbindung, indem er, wie es in der Bibel heißt, „den Samen zur
Erde fallen und verderben“ ließ. Auch Onan starb früh. Rechtlich wäre ihr
nun Schela, der Jüngste und noch ein Knabe, zugestanden, aber Juda, aus
Angst, diesem könnte ein ähnliches Schicksal wie den Brüdern widerfahren,
schickte Tamar zurück zu ihrem Vater, was bedeutete, dass sie unverheiratet
und kinderlos bleiben musste.
Tamar, die sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden wollte, griff zu einer höchst
riskanten List. Durch einen Schleier verborgen verführte sie Juda und wurde
tatsächlich mit Zwillingen schwanger.
In einer spektakulären Gerichtsverhandlung konnte sie Juda davon
überzeugen, die Vaterschaft der Kinder anzuerkennen und entging somit
dem Tod durch Steinigung, der ihr wegen Unzucht drohte.
Von ihrem Erstgeborenen Perez stammt nach einigen Generationen
König David ab und auf diese Weise ist Tamar, als eine von nur
vier Frauen, in den Stammbaum Jesu eingegangen.

Rainbacher Evangelienspiele