Botschafter Dr. Gerhard Jandl





Zur Eröffnung der Evangelienspiele 2009
und der Einweihung der neuen Spielstätte
Rainbach im Innkreis, 11.6.2009

Es ist weithin bekannt, dass Friedrich Ch. Zauner und Roswitha Zauner ihrer Heimat – Oberösterreich, dem Innviertel und Rainbach – in besonderer Weise verbunden sind und hier die Kraft für ihre reiche literarische Arbeit schöpfen.

Was vielleicht weniger bekannt ist, ist die Tatsache, wie sehr das Schriftstellerehepaar auch international aktiv und gefragt ist. Nach meinen Tätigkeiten als österreichischer Diplomat in Kairo, Tunis, New York konnte ich dann insbesondere in Bosnien und in Serbien feststellen, wie groß dort das Interesse an den Arbeiten der Zauners ist. Den hohen Wirkungsgrad des Zauner’schen Werks kann man auch daran ablesen, dass die Bücher von Friedrich Ch. Zauner unter anderem ins Englische, Spanische, Italienische, Flämische, Türkische, Slowenische, Serbische und – ja, auch das – ins Schwyzerdytsche übersetzt wurden. Nach etlichen Lese- und Vortragsreisen zu unterschiedlichen Destinationen ist derzeit ist eine Kooperation mit dem afrikanischen Mosambik in Vorbereitung.

Woher kommt das große Interesse am Zauner’schen Schaffen, von Rainbach über Istanbul bis Washington? Meiner Meinung nach kommt daher, dass die Romane und Stücke zwar aus einer Innviertler Perspektive heraus geschrieben worden sind und oft – wie z.B. das opus magnum „Das Ende der Ewigkeit“ – auch hier spielen, aber eigentlich Grundfragen der menschlichen Existenz betreffen: Fragen unserer Identität, unseres Zusammenlebens, der Gefühle und Empfindungen, der gesellschaftlichen Strukturen und ihrer Veränderungen, die weit über den regionalen Kontext hinaus gehen und allgemein gültig sind.

Als Österreichischer Botschafter vor Ort konnte ich beobachten, wie die Studenten in den Germanistikseminaren in Belgrad oder die Zuhörer der Lesungen in Sarajewo zwischen den Schilderungen des Umbruchs im Innviertel des frühen 20. Jahrhunderts im „Ende der Ewigkeit“ und Verwerfungen ihrer eigenen Gesellschaften am Balkan in den letzten Jahren und Jahrzehnten faszinierende Parallelen entdeckt haben.

Mit den Evangelienspielen in Rainbach und mit der neuen Spielstätte eröffnet uns Friedrich Ch. Zauner nun eine neue Sichtweise. Wie er bisher die Innviertler Perspektive durch seine Figuren und die Beschreibung der hiesigen Gesellschaft und ihrer Wandlungen in die Welt hinaus getragen hat, holt er nun große Stoffe der Welt- und Glaubensliteratur nach Rainbach.

Die Evangelienspiele sind Schauspiel. Professionell konzipiert und umgesetzt, gehen sie über den bloßen biblischen Text hinaus. Sie geben uns Zuschauern die Gelegenheit, unsere eigenen existentiellen Probleme und Fragen anhand großer bekannter Personen und Ereignisse aufzuarbeiten.

Als Diplomat darf ich die Hoffnung hegen, dass sich hier in Rainbach ein Ort des internationalen Kulturaustausches entwickeln wird, und dass vielleicht so etwas wie ein „kultureller Exportartikel“ Österreichs und Oberösterreichs entsteht. Für diese Perspektive, aber auch für diesen Ort der Reflexion, des Kulturschaffens und des gleichzeitigen Kunstgenusses möchte ich der Familie Zauner aufrichtig danken, und ihr Engagement und ihre Schaffenskraft würdigen. Ebenso danken darf ich Herrn Landeshauptmann Pühringer als dem obersten Vertreter des Landes Oberösterreich und Herrn Bürgermeister Gimplinger, sowie allen anderen Helfern und Förderern des Projekts. Ohne ihrer aller Einsatzbereitschaft wäre die Errichtung dieser neuen eindrucksvollen Spielstätte nicht möglich gewesen.

Liebe Roswitha, lieber Fritz: Im Namen aller Anwesenden darf ich euch und eurem neuen Haus von ganzem Herzen viel Erfolg wünschen.

Rainbacher Evangelienspiele - Botschafter Dr. Gerhard Jandl