DER SUPERINTENDENT DER
EVANGELISCHEN KIRCHE OBERÖSTERREICHS

Mich berührt in diesem Spiel besonders die Gestalt des Pilatus und ich merke: dieser lebte nicht nur zur Zeit Jesu. Jeder von uns ist in seiner Welt ein Pilatus. Auch wir müssen Entscheidungen fällen. Gerade auch solche, die wir nicht gesucht haben und die uns unangenehm sind. Wie damals haben auch wir unsere Vorurteile, die weiteres Nachdenken erübrigen. Pilatus wird nicht in Ruhe gelassen. Seine Frau dringt in ihn sich herauszuhalten. Auch der schweigende Jesus macht es ihm nicht leicht. Pilatus hat von seinen Taten und Wundern gehört. Gerne würde ich heute, so wie in dem Stück beschrieben, mit dem vom Tode erweckten Lazarus ein Gespräch führen. Gerne würde ich allen Atheisten und Agnostikern so einen Gesprächstermin vermitteln. Aber dann wäre Glaube nicht mehr Glaube. Pilatus wird auch durch diese Begegnung nicht von einem Fehlurteil abgehalten. Er will schließlich seinen Posten behalten, bis zu den erhofften ruhigeren Tagen der Pension in Rom.

Dieses Stück von Friedrich Ch. Zauner ist nicht nur ein Spiel über eine vergangene Zeit. Es ist ein Spiegel. Wie sehen wir uns? Wie urteilen wir? Wie gehen wir um mit diesem Jesus? Der Schlusschor zeigt wie wir heute im Sinne Jesu handeln können und sollen.

„Die Tage sind da”: sie sind da, Jesu Werk und Willen aus- und fortzuführen. In diesem Sinne wünsche ich den Rainbacher Evangelienspielen viele Zuseher, Nachdenker und dann entsprechend Handelnde.

 

 


Mag. Hansjörg Eichmeyer
Superintendent von OÖ

Rainbacher Evangelienspiele - Superintendent Eichmeyer